Neues Buntglasfenster = „PFINGSTEN“ = in der Stiftskirche

Am 7. November '05 unternahmen besonders Interessierte und den Werdegang dieses Fensters bisher Begleitende einen Kurzausflug nach Scheuring in die dortige Glasmalerei um die letzte Etappe seiner Entstehung gleichsam ins Rollen zu bringen. Zuerst bekamen wir eine überaus fachkundige Einführung rund um alles, was mit Buntglas und Glasmalerei, Bleiglasfassung, Auf- und Einbrennen von Farbe, Struktur des zu verwendenden Glases – geblasen und nicht industriell hergestellt! – transparent, lichtdurchlässig, Auflicht und Streulicht zu tun hat. Dann standen wir vor der Vorlage des Fensters in Originalgröße und ließen uns vom Augsburger Künstler Helmut Ulrich (der auch die Fenster in der Michaeliskirche gestaltet hat!) seinen Aufbau und farbliche Gestaltung erklären. Wichtig war dem Künstler vor allem, dass es sich in die „Landschaft“ der schon vorhandenen Buntglasfenster harmonisch einfügt und nicht als Fremdkörper empfunden wird, auch wenn es rund 100 Jahre jünger als die andern ist.
Im Folgenden nun eine kurze Beschreibung dessen, was dann - wahrscheinlich März 2006 – zu sehen und zu bestaunen sein wird: (am besten vorstellbar, wenn Ihnen die vorhandenen Fenster in ihrer Struktur und Gestaltung nicht unbekannt sind)
Der obere Teil umschließt kleine Bilder: zentral  die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, der zu Pfingsten ausgegossen wurde, darunter die Wirkungsfelder des Schöpfergeistes = die 4 Elemente: Erde (braun), Wasser (blau), Feuer (rot) und Luft (helles weiß) und in einem kleinen Feld die Erdkugel, wie sie aus dem Weltall zu sehen ist.
Anschließend folgt – den anderen Fenstern gleich – das Wappen der Partnerstadt Morhange und das der Evang. - Luth. Kirche Kongos, beide als Bildsymbole der Versöhnung zwischen ehemaligen Feinden und der neuen Verbundenheit mit christlichen Geschwistern in der weiten Welt, was sehr wohl auch als Wirkung des Heiligen Geistes gesehen werden darf.
Von der Taube ausgehend zieht sich ein heller Streifen dann etwa bis zur Mitte des Bildes auf einen Altar hin, an dem eine Abendmahlsgemeinschaft zu erkennen ist, die zwiefaches ausdrücken möchte: die Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Jünger und das stets sich neu Ereignen dieses Gottesgeschenkes, sooft sich Gläubige am Tisch des Herrn versammeln.
Im unteres Teil ist dann eine ganze Menschenmenge zu erkennen, die, vom Abendmahlstisch her kommend be-„geistert“  auseinanderstrebt = hinausgesandt „in alle Welt“ = das Evangelium allen Menschen zu bringen, was ohne Heiligen Geist gar nicht möglich wäre, gemäß auch der Erklärung des 3.Glaubensartikels im Kleinen Katechismus Martin Luthers, nachzulesen im Gesangbuch Seite 905.
Freuen wir uns / freuen Sie sich auf die wohl gewisslich große Bereicherung unserer Gemeinde und Stiftskirche durch dieses Bild. Und da wir bei der oben erwähnten Einführung in die Technik der Glasmalerei auch etwas davon mitbekommen haben, wie wenig im Gelingen der Farben dann letztendlich in Menschenhand liegt, darf ruhig auch darum gebetet werden, dass alles wohl gerate, uns zur Freude und Gott zu Lob und Dank.
Günther Hauptkorn
November 2005

Der Künstler Helmut Ulrich erläutert seinen Entwurf